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Interessanter Abend über Walter Meier und die NAPOLA

07.12.2018

Gut 30 Zuhörer waren am Donnerstag, dem 6. Dezember, in die Elbe-Ohre-Halle gekommen, um im Vereinsraum die Geschichte von Walter Meier zu hören, der 1938 als Elfjähriger erst nach Köthen und dann nach Ballenstedt zur NAPOLA ging. An der Schule in Rogätz war er ausgewählt worden, um sich fern der Heimat und des elterlichen Heimes zu einem "Jungmannen stählen" zu lassen. Eigentlich wollte er gar nicht so recht, hoffte vielmehr, er würde die Aufnahmeprüfung nicht schaffen. Aber so wendige, sportliche Jungs wie er waren gefragt als Führungsnachwuchs für das Hitler-Regime.

Wie die Kinder über sieben Jahre lang paramilitärisch gedrillt, aber auch intensiv geschult worden sind, das haben die Autoren Wolfgang Schilling und Söhnke Streckel dem Publikum anschaulich vermittelt. Sie haben viel Material zu den NAPOLAs und ihren Erziehungsmethoden zusammengetragen, Fotos und Zeitzeugenberichte, Veröffentlichungen aus damaliger Zeit und in Archiven Recherchiertes. Ein großes, reich bebildertes Buch ist daraus entstanden. "NAPOLA  - verführte Elite im Harz" heißt es und befasst sich im Besonderen mit den Einrichtungen in Ballenstedt und Ilfeld.

Die Autoren sprachen in Rogätz über die ganz persönliche Sicht von Walter Meier auf seine Jugendjahre in Ballenstedt, zeigten die von ihm hinterlassenen Erinnerungen in Form eines Fotoalbums. Die Witwe Thea Gerstenberger sprach außerdem über Erlebnisse, die ihr Walter erzählt hatte. Sie war eigens aus Halle angereist, um dabeizusein, wenn in Rogätz über ihren Walter gesprochen wurde. Sie konnte interessante Details beitragen, so zum Beispiel dass ihr Mann in Ballenstedt nicht nur körperlich ertüchtigt wurde, so dass er später große sportliche Erfolge feierte und sogar zweimal bei einer Olympiade starten konnte. Walter Meier hat auch das Fach Deutsch geliebt und seinen Lehrer verehrt, der ihm so viel beigebracht hatte. Dies wirkte sich auf sein ganzes Leben aus. Walter Meier schrieb mehrere Bücher und dichtete mit Hingabe.

Belastend für ihn war, dass einige seiner Kameraden das Kriegsende nicht erlebt haben, sie mussten noch als Flakhelfer und als Soldaten in den Einsatz ziehen, wie Walter selbst. Nur er hatte Glück.

Lange Jahre haben sich später die Verbliebenen noch getroffen.

Walter Meier starb am 25. März 2017, wenige Monate vor seinem 90. Geburtstag. Er war wegen seiner sportlichen Erfolge Ehrenbürger von Rogätz und Mitglied unseres Vereins. Eine Erinnerungsplakette ist im Foyer der Elbe-Ohre-Halle angebracht.

 

Foto: Thea Gerstenberger, Heidi Vorbrich, die Schwester von Walter, und die Autoren Wolfgang Schilling und Söhnke Streckel